
Windischeschenbach. (ab) "Bildungslücken schließen, Armut bekämpfen und Zukunft sichern", lautete das Motto einer mitreißenden und engagierten Rede des ehemaligen Verdi-Geschäftsführers Manfred Haberzeth am 1. Mai im voll besetzten Sportheim.
Die gerechte Verteilung dessen, was von den Menschen erarbeitet wird, bezeichnete der Redner als eine der wichtigsten Herausforderungen. Das sieht Haberzeth als Schlüssel zur Bewältigung der Zukunft. "Ohne eine Anstrengung in diese Richtung lässt sich viele nicht erfüllen", so der Redner. Dazu gehörten Bildungsanforderungen, Armut sowohl bei den Kindern als auch im Alter und das Gesundheitswesen für alle.
Nach einer dreijährigen Pause hatte das DGB-Ortskartell, das sich vor einem Jahr neu gegründet hat, wieder zur Maikundgebung eingeladen. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die langjährige Tradition des 1. Mai in Windischeschenbach unbedingt wieder zu beleben", sagte Vorsitzender Reimund Zeitler. "Denn Arbeitnehmer müssen sich wieder mehr organisieren und sich gegen Missstände wehren. Jeder soll so viel Geld verdienen, dass er die Familie ernähren kann. Und dazu sind starke Gewerkschaften notwendig, denn nur die können auch gute Lohnabschlüsse aushandeln. Rechte muss man sich erkämpfen, die fallen nicht vom Himmel." Ohne Gewerkschaften könnten viele untragbare Zustände nicht bekämpft werden.
Haberzeth sprach die enge Verknüpfung von Bildung und Soziales an. "Seit gut zwei Jahrzehnten wird man nicht müde, darauf zu verweisen, dass in einer globalisierten Welt die Bildung die wichtigste Grundlage für die nächste Generation darstellt. Und trotzdem werden überkommene Ausbildungsstrukturen beibehalten, Gesamtschulen bekämpft und zu früh ausgesiebt". Der Redner brachte es auf den Punkt: "Alle Erkenntnisse, die zu einer besseren Ausgangslage führen, werden ignoriert. Diese Versäumnisse stellen für mich ein Verbrechen an der Jugend dar."
Angesichts der bevorstehenden Wahlen solle jetzt wieder einmal im Hauruckverfahren die Wende geschafft werden. Haberzeth warnte davor, die Absicherung für die Wechselfälle des Lebens wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter in einen Generationenkonflikt zu verwandeln.
Er sah einen engen Zusammenhang in den politisch beschlossenen Veränderungen bei den Einnahmen durch Niedriglöhne, geringfügiger Beschäftigung und dem Aushebeln von Tarifverträgen. "Dadurch ist die Lohnquote im Volkseinkommen drastisch gesunken und der Anteil der Vermögens- und Unternehmenseinkünfte gestiegen." Haberzeth appellierte an die Arbeitnehmer, sich in Gewerkschaften zu organisieren, um gerechte Löhne durchzusetzen. Damit aber Tarifverträge in Betrieben auch ankommen, brauche es Betriebsräte, die verhindern, dass Löhne und Gehälter unterlaufen werden.
"Gute Arbeit muss wieder salonfähig werden." Haberzeth machte auch auf das Volksbegehren Mindestlöhne aufmerksam. "Mindestlöhne müssen kommen. Wer die Würde des Menschen ernst nimmt, der kann daran nicht vorbei." Der DGB fordere deshalb, die Bayerische Verfassung umzusetzen und sich auf deren Grundlagen zu besinnen. Dies gilt für Mindestlöhne, den Anspruch auf Arbeit, den Schutz der Arbeitskraft und für die Einführung von Sondersteuern auf Vermögen.
Löhne verharren
Hier stellte der Redner eine Diskrepanz fest: "Die Abgeordneten schwören auf die Einhaltung der Verfassung, und trotzdem ergibt sich ein erheblicher Unterschied zur Verfassungswirklichkeit." Er beleuchtete die Einkommensentwicklung in Deutschland. "Während die Löhne auf dem Stand vor zehn Jahren verharren, stiegen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 43 Prozent. Der Erfolg der Arbeit von 40 Millionen Erwerbstätigen wurde sowohl an der Lohntüte als auch an den sozialen Sicherungssystemen vorbei geschleust. Hinzu komme, dass die Steuergeschenke durch einen erheblichen Anstieg der Verbrauchersteuern bezahlt werden mussten.
Mitglieder des DGB-OK beim hissen der DGB-Fahne.
Von links: Reimund Zeitler, Manfred Haberzeth, Albert Schieder und Roland Adam
Foto: Reimund Zeitler 2008
